Feb 18 2009

Intro

Martin

Auf den folgenden Seiten kann sich schamlos auf Kosten unserer Zeit die eigene vertrieben werden. Interesse wecken, zum Lachen bringen, zum Weinen bringen, begeistern, gar nichts bewirken, das sind unsere Intentionen.

Diese Version von borrowedtime.at (ehemals dudi.amspitz.at) ist ein Novum. Zum ersten Mal sind aktiv mehr Personen beteiligt als nur ich selbst:

Steffi, Marc, Christian und Albert werden den Blog mit vergangenem, aktuellem und zukünftigem Nonsens und anderem Input versorgen.

Als Besonderheit beherbergen wir das Kulinarium: Gmiadliche Lokale, bei denen sich ein Besuch definitiv auszahlt. Billiges essen, exotisches essen, gewöhnliches essen, wir haben es gegessen.

Und jetzt hopp, hopp! Geht spielen.


Okt 7 2009

Back in Delhi

Martin

Paharganj, New Delhi, 7. Oktober 2009, 22:42 Ortszeit.

Ich werde diesmal ein wenig mit Worten sparen, sondern mich auf das Wesentliche beschraenken und ein paar Fotos herzeigen auch noch. Unsere Tour auf den Backwaters von Kerala laesst sich folgendermassen auf den Punkt bringen: “exorbitant toll” und “zu kurz”. Eine Nacht auf diesen Hausbooten ist einfach viel zu wenig Zeit um dieses praechtige Fleckchen Erde wirklich auf sich wirken zu lassen und gebuehrend geniessen zu koennen.

Wir haben uns aus logistischen Gruenden fuer Kollam als Abfahrtspunkt entschieden und das Wetter war ueberraschenderweise nach den letzten heftigen Regentagen (bis dato gibt es im Nachbarbundesstaat Karnataka ueber 250 Opfer der Ueberschwemmungen) tadellos. Die starken Regenfaelle machen sich auch in der Farbe des Wassers bemerkbar, wie man auf den Bildern unten sehen kann. Auf dem Programm stehen 3 Mahlzeiten, zubereitet von unserem Bordeigenen Koch, eine Kanufahrt durch die kleinen Wasserstrassen und ein Besuch in einem der kleinen Doerfer im Hinterland. Das Boot selbst ist gut 20 Meter lang, hat eine eigene Kochecke, gmiadlichen Sitzbereich und zwei fuer ein Boot tadellose Zimmer inkl. je eigenem Bad.

Damit allen klar ist wovon hier eigentlich wirklich die Rede ist, hier einige Impressionen.

1. Unser Hausboot stand uns fuer fast 24 Stunden zur Verfuegung und die dreikoepfige Crew (Steuermann, Koch, “Der-Motor-Typ”) ist ehrlich um unser Wohlergehen besorgt.

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Unser Koch bereitet das erste Mittagessen vor, Fisch Kerala Style mit massig Beilagen. Definitiv eine der besten Mahlzeiten auf der ganzen Reise. Zum Abendessen machen Albo und ich einen Abstecher in eines der benachbarten Doerfer um noch richtig einen drauf zu setzen und einen Hummer zu kaufen. Leider ist das Krustentier nicht verfuegbar und wir begnuegen uns mit 2,5 Kilo feinster Krabben. Der Koch meistert auch diese Herausforderung und serviert uns ein tadelloses Festmahl.

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Der Ausflug durch die kleineren Wasserarme geht mit einem Kanu ueber die Buehne, das massive Hausboot passt da auf keinen Fall durch. Unser redseliger Kanusteuermann bringt uns zu einer befreundeten Teestube (ganz grossartiger Masala Tea!), zeigt uns wie man Seile aus Kokosnussfasern macht und wir sehen wild wachsenden Pfeffer, Ananas, Bananen und Lotusblueten.

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Nach der Bootstour trennen sich unsere Wege wieder, Albo Malbo und Ramin fahren nach Kollam Beach um sich noch zwei Tage die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, waehrend Steffi und ich nach Madurai pilgern um die dortige Tempelanlage unter die Lupe zu nehmen.

2. Strassenszenen aus der ueberaus sympathischen Stadt Madurai mit ihren eins komma irgendwas Millionen Einwohnern. Zuerst das Viertel rund um den Tempel mit den unzaehligen Schneidern und allen anderen moeglichen Verkaeufern fuer alles andere Moegliche. Dann ein Kreisverkehr an einer kleineren Kreuzung (dass Kuehe hier heilig sind hab ich schon erwaehnt?) und zuletzt eine Aufnahme von unserem Balkon in der TM Lodge.

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Der Tempelkomplex von Madurai macht echt Eindruck und duerfte in dieser Art wohl einzigartig in Indien sein. Der Elefant im Inneren verteilt fuer eine Muenze seinen Segen an die unzaehligen Pilger. Man beachte die Gelassenheit beim Segnen waehrend er seine Faekalien in den von einem Assistenten bereit gehaltenen Kuebel deponiert.

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Hier in Delhi hat es gmiadliche 35 Grad im Schatten, wir haben den Tag mit exzessivem Shoppen verbracht und die Steffi laesst sich grad ein Henna machen. Albo und Ramin duerften in der Zwischenzeit gelandet sein, bald sind wir wieder im Hotel Rak International vereinigt. Morgen ist als einziger Fixpunkt der Lotustempel von Delhi eingeplant, seines Zeichen die meistbesuchte Sehenswuerdigkeit der Welt (in absoluten Zahlen). Die Bier sind laut dem ueberaus zuvorkommenden Personal bereits eingekuehlt, also werde ich mich wohl langsam verabschieden.

Dies duerfte der letzte Eintrag aus Indien sein, unsere Reise geht in gut 30 Stunden zu Ende. Ich freu mich auf den Wuerschtler am Hohen Markt und hoffe ihr hattet Spass mit unserem Blog!


Okt 1 2009

Drei vor Strom

Martin

Varkala Beach, 1. Oktober 2009, 22:46 Ortszeit.

Der erste Oktober ist jetzt also schon. Bitter, bitter, unsere Reise neigt sich langsam aber bestaetig dem Ende zu. Nur noch acht mal schlafen und dann war es das. Dafuer halten wir das Finish entspannungstechnisch auf ziemlich hohem Niveau, aber reden wir zuerst ueber das Vergangene, so viel ist es ohnehin nicht:

Getrennt haben wir uns vor fuenf Tagen in Cochin, aber der Plan ging nicht so ganz auf. Munnar mit seinen von vielen Seiten hoch gelobten Tee- und Gewuerzplantagen mussten wir genau so wie den Nationalpark ausfallen lassen, da die Steffi es vorgezogen die Zeit anders zu nutzen. Zwei Tage hat sie halb halb im Bett und am Klo verbracht und im Spital waren wir auch noch. Nach dem Tropf und einer Spritze in den Popsch um zusammen 6 Euro war sie fit genug um zu den anderen aufzuschliessen und so sind wir vor drei Tagen hier in Varkala eingetroffen. Beherbergen tut uns die ueber alle Masse freundliche Familie im Jicky’s, keine 100 Meter vom Strand entfernt. Hier passiert nicht viel, ausser den ueblichen Aktivitaeten, konkret Schlafen, Essen (!!!), am Strand liegen, Ayurveda Masssagen und massenweise Zerstreuung. Vor allem diese Lifestyle Sache hat es uns angetan. Ramin und Albo sind schon fortgeschritten, sie sind bei Gesichtstherapien angelangt, bei denen ihnen eine halbe Stunde lang warmes und kaltes Oel (Palmen, Blueten, nicht Bratfett oder sowas) ueber die Stirn gegossen wird. Ok. Steffi stuerzt auf Reiki und ich bin mit meiner Special Kerala Ayurvedic Rejuvenation Full Body Massage auch ganz zufrieden. Gestern haben wir sogar Yoga gemacht, hier fallen irgendwie alle Hemmungen.

Kommen wir zu dem wichtigsten Teil dieses Beitrags, naemlich den Bildern. Es ist so bitter fuer mich sie in dieser Qualitaet herzeigen zu muessen, aber ausser Paint gibts hier einfach nix. Wir koennen froh sein, dass es ueberhaupt Strom gibt, zumindest ein paar Stunden am Tag.

1. Londa. Wir erinnern uns an den vorigen Beitrag, Londa ist einfach ein kleines Kaff mitten im Nirgendwo und die Menschen dort sind von unserer Ankunft sehr angetan.

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2. Hampi. Die ersten drei Bilder zeigen Hampi Bazaar mit dem Haupttempel und teilen sich in das Panorama vom Huegel nebenan, eine Detailstudie und den Moment in dem die Elefantendame Lakshmi der Steffi einen Segen gibt fuer eine Rupie.

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Weiter gehts mit dem fuer Teile der Gruppe qualvollen Aufstieg auf den hoechsten Punkt in der Umgebung mit dem sagenhaften Panorama auf Hampi und die beeindruckende Landschaft. Sogar eines der seltenen Bilder Photos mit uns allen zusammen ist dabei. Zum Schluss eine Szene auf der Hauptstrasse von Hampi Bazaar.

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3. Ein schneller Blick auf die gute General Class. Man wird meinen, es waere nicht so schlimm, war’s wie gesagt auch nicht, aber der Teufel steckt da erstens im Detail und zweitens ist das Gesamtbild auch ordentlich abstossend.

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4. Strassenszenen aus Bangalore. Das Hotel ist mitten in einem Basarviertel und obendrein ziemlich klein, was zu elends langen Suchaktionen mit Annaeherungstaktik fuehrt. Das Problem ist, die Stadt schaut am Morgen ganz anders aus als untertags und nochmal ganz anders am Abend und letztendlich muessen wir eh einen Rikschafahrer bezahlen, der die Hittn fuer uns sucht. Hilft alles nix.

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5. Bilder aus Fort Cochin: Zuerst die von uns okkupierte letzte Bleibe von Vasco da Gama, das Cafe Bob Marley gleich die Gasse weiter runter, in der Riksha auf dem Weg ins juedische Viertel Pondicherry und zum Schluss warten wir vor dem Teehaus bis der hier in Kerala fast schon von Sekunde auf Sekunde einsetzende Monsoon schwaecher wird.

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6. Szenen von der Fahrt von Cochin nach Varkala (in der offenen Waggontuer Zug zu fahren gehoert wohl zu meinen Lieblingsbeschaeftigungen hier). Ueberschwemmte Reisfelder nach einer durchregneten Nacht, ein vorbeifahrender Zug und schlussendlich ein kurzer Stop in einem kleineren Dorf irgendwo in der Pampa. Auf diesem Bild ganz schoen zu erkennen ist die traditionelle Beinkleidung der Maenner in Kerala, der Yogi oder so aehnlich und obendrein sieht man schoen wie man in diesem Land mit der Umwelt umgeht. Mistkuebel gibt es so gut wie nie, der Muell landet einfach auf der Strasse.

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7. Varkala Beach, unser derzeitiger Aufenthaltsort. Die ersten drei Bilder zeigen den Strand, der nur sehr schmal und kurz ist und bei Flut sogar fast vollstaendig ueberschwemmt wird. Am fuenf Punkten kann man von den Klippen ueber Steintreppen nach unten steigen, oben spielt sich die ganze Action ab. Restaurants, Shops, Hotels, das Typische eben. Am dritten Bild sieht man bei genauem Hinsehen Albo und Ramin mit Boogie Boards den Strand entlanglaufen. Die Stroemung und die Wellen sind hier unglaublich stark, man wird sofort abgetrieben und der Bademeister pfeift die ganze Zeit. Fun, fun, fun!

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Zu guter letzt sieht man noch wie sich die Steffi auf morgen Frueh vorbereitet und Albo bei der Pause zwischen den beiden Hauptgaengen im Cafe del Mar direkt ueber dem Strand. Wir essen unverschaemt viel.

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Nach dem Skype Gespraechen mit Video muss ich sagen freu ich mich schon richtig unsere Freunde wieder zu sehen, das macht den Gedanken an die auslaufende Zeit in Indien irgendwie besser. Es ist eigentlich schon Vendetta, aber wenn ihr mein Zimmer zerschaendet habt, dann werden wir im Winter keine gemuetliche Zeit miteinander verbringen koennen, des sog i eich!

Wie es weitergeht laesst sich leicht sagen. In 15 Minuten sperren sie den Internetschuppen zu, wir gehen chillen und dann schlafen. Dann noch einmal den Tag am Strand geniessen und uebermorgen um 11 Uhr besteigen wir unser Hausboot. Ich hoffe wir finden nochmal Zeit fuer einen letzten Eintrag, ansonsten:

Namaste!


Sep 26 2009

Ich bin ein bissl angsoffn..

Martin

Ernakulam, Cochin, 26. September 2009, 23:05 Ortszeit.

Wo waren wir stehen geblieben? Achja, Palolem.. Nun gut, paar Tage spaeter gibts wieder einiges zu erzaehlen. Die Party wurde wegen katastrophen-Monsoon leider Gottes abgesagt, somit wurden es neun Tage Goa ohne echte Goaparty (zumindest fuer uns drei, Ramin hat es sich nicht nehmen lassen zum juedischen Neujahr dick einen drauf zu machen). Lakshadweep Islands sind leider Gottes auch ins Wasser gefallen, es ist doch einfach zu teuer, denn das Leben nach Indien muss auch noch irgendwie weitergehen.

Von Goa haben wir uns via Taxi nach Londa bringen lassen, einem trostlosen Dorf mit einer Anschlussstation nach Hampi. Touristen duerften dort so gut wie nie vorbeischauen und Weisse schon gar nicht. Dementsprechend erstaunt werden wir bei unserem Spaziergang ueber den Dorfweg (Strasse war das wirklich keine) bestaunt, India untouched quasi. Die Menschen sind so gluecklich sich auf meinem Kamera-Display zu sehen, der digitale Abdruck wandert durch die Haende der ganzen Familie.

Nach 9 Stunden im Zug und seit dem morgen unterwegs kommen wir schliesslich an und sofort ab ins Bettchen. Um neun Uhr ist Checkout, grindig. Hampi ist echt geil, ein Must See wenn man in der Gegend ist. Tempel, Ruinen und dann diese Umgebung! Huegel, Berge, ein Fluss und runderhum tausende Granitbloecke verstreut in der Landschaft, sie reichen von einem knappen Meter bis locker 10 Meter Hoehe und mehr, wer sie bloss so aufgetuermt hat fragen wir uns. Wir riskieren einen locker einstuendigen Aufstieg auf den allerhoechsten Punkt in der Umgebung, auf dem Felsplateau gibt es einen kleinen Tempel mit einer verrueckten Frau und einem wahrlich exzellenten Panorama! Leider funktioniert auf dem PC hier keiner der USB Ports, sonst koennte ich ein paar edle Bilder herzeigen, inklusive meinem Edelsonnenbrand von dem Tag. Hampi ist fix einer der beeindruckendsten Orte hier in dem Land und in meinem bescheidenen Lebenslauf bestimmt Top 3 fuer laengere Zeit!

Um 10 am Abend geht unser Zug, wir haben Plaetze auf der Warteliste und ab hier wirds dann interessant. Waehrend wir hoffen, dass die obligatorische Verspaetung des Zugs bescheiden ausfaellt spricht der Station Master die bitteren Worte aus: “No seats, train is full!”. Wir steigen trotzdem ein, denn das Motto “Everything is possible” hat sich in dem Land bis jetzt immer bewahrheitet. Ausserdem haben wir mehr Rupees einstecken als die meisten hier im Monat verdienen, also. Von 2nd AC Class schickt uns der Schaffner weiter zur normalen Sleeper Class, denn train ist immer noch full. Sleeper Class ist nicht 2nd AC und vor drei Wochen waeren wir wahrscheinlich nicht in diesem Waggon eingestiegen, aber wir haben ja auch brav gelevelt in der Zeit. Wir erkaempfen uns Liegeplaetze und hoffen dass wir hier bis Hampi bleiben koennen. Eine halbe Stunde spaeter kommt ein anderer Schaffner und was gibts?

Nix gibts. Alle aussteigen. Mittlerweile ist es nach Mitternacht und wir sind irgendwo. Gattakala oder so, mitten im bitterarmen Bundesstaat Karnataka und der werte Herr will uns noch eine absurd hohe Strafe fuer Fahren ohne Ticket zahlen lassen, diese Kreatur. Wir lehnen dankend ab, lassen uns das Ticket aushaendigen und versuchen die “Touristen aus Europa”-Karte zu spielen. Schnell findet sich jemand, der uns Plaetze organisieren kann gegen eine kleine Spende. Leider ist er anscheinend zu weit unten in der Hackordnung und wir bleinen am Bahnhof von Gattakala stehen und in die einzige Verbindung zu jeder Art von Zivilisation “is full, sorry my friend.” Irgendwer ruft uns ploetzlich zu, dass auf einem anderen Bahnsteig ein anderer Zug gerade einfaehrt, der uns nach Bangalore bringen kann. Also Rucksaecke drauf und Laufschritt.

“Train is full, sorry my friend!” Sowas wie dezente Verzweiflung macht sich breit, aber wir sind einstimmig der Meinung, dass wir hier ganz ganz sicher nicht ueber Nacht bleiben werden. Also weiter Laufschritt bis ans Ende des Zugs und rein in die General Class. Wie soll ich sie am Besten beschreiben, diese General Class? Immer wenn ein Zug einfaehrt haben wir uns waehrend diese Waggons an uns vorbeifuhren gedacht wie man auf diese Art bloss laenger als 10 Minuten fahren kann? Millionen Inder werden auf diese Art Tag fuer Tag fuer ein paar Rupees von A nach B gekarrt, aber wir wollten dieses Erlebnis eigentlich nicht unbedingt ausprobieren. Vor allem nicht an diesem Tag. Der Geruch drinnen (draussen eigentlich auch schon) erinnert an die Toilette unseres geliebten Paddy O’Briens, irgendwie wie zu Hause aber irgendwie dann wirklich nicht. Auf der Gepaeckablage, am Boden, ueberall schlafen Leute und wir suchen uns ein unbesiedeltes Fleckchen neben dem Eingang. Aber auch hier sind die Leute nett und ueberlassen uns Sitze und im Nachhinein war’s eh nicht so schlimm. Wir moechten jedoch bei 2nd AC bleiben wenn’s geht, ein Mal General Class reicht vollkommen.

Albo Malbo und ich beschliessen in Bangalore durch zu machen, Ramin und Steffi gehen fuer ein paar Stunden schlafen, denn in 15 Stunden geht es gleich weiter nach Kerala. Unsere Wartelisten Tickets werden bestaetigt, also heisst es nur noch wach bleiben. Es ist ultraheiss, aber irgendwie schaffen wir es uns zu ein paar Sehenswuerdigkeiten zu schleifen und dann geht es weiter. Diesmal in der guten Klasse wachen wir nach 12 Stunden Fahrt in Ernakulam auf, dem Bezirk direkt neben Cochin.

Wir beziehen das wirklich tolle Eckzimmer im Vasco Homestay in Fort Cochin, hier soll Vasco da Gama hoechstpersoenlich den Loeffel abgegeben haben. Chillen, schlafen, feinst speisen und selbstverstaendlich HBO sind die naechsten Punkte und so bleibt es auch mehr oder weniger bis jetzt. Wenn Vasco wuesste.. Fort Cochin ist eine Oase in der Grossstadt, es ist unglaublich ruhig, viele feine Laeden mit verschiedensten Holzarbeiten, Antiquitaeten, Gewuerzmaerkten und Teehaeusern. Ein Praktikant von Maya India arbeitet hier und wir treffen uns mit Stefan. Sehr bereichernd das Treffen, echt angenehm sich mal mit anderen Menschen auf Deutsch zu unterhalten und wir lassen uns auch einige Tipps fuer die Weiterfahrt geben, er ist immerhin schon seit drei Monaten hier.

Apropos Deutsch sprechen, sonst vergess ich noch den Titel des Posts hier einzubauen: Am Strand wurde gerade irgendein Film gedreht, das zieht jede Menge Schaulustige an. Uns spricht irgendeine Gestalt an und diesmal hat er aber eine ueberraschende Antwort fuer uns parat als wir sagen wir seien aus Oesterreich: “My friend is from Austria.” Er holt seinen Kumpanen her und dieser hat tatsaechlich den feinsten Bauerndialekt aus Bludenz drauf, den er sich nach 10 Jahren Kellnern in den Alpen angeeignet hat. Wir haben seit unserer Ankunft sicher 100 Millionen verschiedene Inder gesehen, aber dieser hier hat den groessten Flashfaktor. Als ich zum Abschluss ein Foto von ihm machen moechte meint er noch: “Ich bin ein bissl angsoffn..” Priceless!

Ausschauen tut es weiter jetzt so: Albo und Ramin fahren morgen frueh mit dem Zug nach Varkala an den Strand, Steffi und ich goennen uns einen Abstecher mit dem Bus in die Berge nach Munnar zu den Tee- und Gewuerzplantagen von Kerala und anschliessend einen Elefantenritt im Periyar Nationalpark. Spaeter gibt es dann feierliche Reunion am Strand mit der Entourage und anschliessend die heiss ersehnte Hausboot Tour in den Backwaters. Das naechste Update gibt es hoffentlich mit Fotos, Gute Nacht! Und sorry fuer die Ueberlaenge.


Sep 20 2009

Manali Cream

Martin

Palolem, 20. September 2009, 13:01 Ortszeit.

Es wird Zeit ernsthaft ciao zu sagen zu Palolem, wir haben gerade unsere Zimmerschluessel im Zappia Cove abgegeben und goennen uns noch ein letztes solides Fruehstueck im Cheeky Chapatti bevor es wieder in den Norden geht nach Colva Beach, dort steigt heute abend die viel beworbene Party der beiden Franzmaenner Xavier und Pascal.

Mit Mueh’ und Not haben wir uns dazu durchgerungen die Schluessel auch wirklich aus der Hand zu geben, denn Palolem war sehr gut zu uns. Der Strand grandios, das Meer pippifein, das Essen noch besser und an die Routine haben wir uns auch schon fast gewoehnt: Schlafen bis zu Mittag, Fruehstuecken beim groessten Raunzer von Kellner in ganz Goa, danach Strand. Dazwischen je nach Belieben Snacks oder gleich mehrgaenginge Menues im Smuggler’s Inn, denn zu Steak und Sticky Chocolate Cake kann man einfach nicht nein sagen (Albo Malbo kann mittlerweile feste Nahrung zu sich nehmen und es ist fast schon schirch zuzusehen wie er versucht das Verpasste nachzuholen). Palolem war fast schon zu gut zu uns.

Mein Scooter und ich, die anderen waren zu zerstreut um sich vom Strand weg zu bewegen, haben uns noch zum Drueberstreuen einen mehrsteundigen Ausflug zum Fort Cabo de Rama gegoennt, einfach 25 Kilometer die Kueste rauf. Mit einem motorisierten Zweirad durch Goa zu fahren ist einfach herrlich, da kann unmoeglich jemand was dagegen sagen. Ich werde mir fix wieder so ein Teil ausborgen wenn wir laenger an einem Ort bleiben sollten.

Uebrigens hier noch der ganz grobe Plan fuer die naechsten Tage: Old Goa, Hampi, Mysore, Cochin, eventuell Lakshadweep Islands (Mr. Sharma erkundigt sich fuer uns wegen der hohen Kosten fuer den Aufenthalt dort und was man dagegen machen kann), Backwaters Tour durch Kerala, Madurai, Delhi, Wien. Wir halten unsere treuen Leser auf dem Laufenden, falls noch jemand mitlesen sollte! (:

Zum Abschluss hier bitteschoen noch eine kleine Selektion von Palolem und dem Stueckchen Goa rundherum.

1. Palolem Beach. Die drei Bilder vom Strand zeigen die Bucht bei Tageslicht, bei Sonnenuntergang und zum Schluss nach Sonnenuntergang. Diese extreme Toenung ist keineswegs kuenstlich, sondern das Licht ist fuer eine Viertelstunde tatsaechlich so rosa im gesamten Ort. Mit der ueberall in Goa verbreiteten roten Erde hinterlaesst das einen ziemlichen Eindruck.

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2. Unser Lieblingslokal, Smuggler’s Inn. Die Stimme und Aussprache des Kellners ist in hoechsten Graden amuesant und die Nachspeisen vom Allerfeinsten.

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3. Von Palolem Beach zu den Ruinen des alten portugiesischen Forts Cabo de Rama und wieder zurueck, also das Hinterland von Goa abseits von touristisch erschlossenen Orten. Zuletzt das absolut klassischste Bild, das man hier zu sehen bekommt: Kuehe. Meistens spazieren sie in kleinen oder grossen Gruppen die Strasse entlang, ohne menschliche Begleitung. Wenn sie sich auf die Fahrbahn legen hilft keine Hupe der Welt sondern nur ausweichen und hoffen, dass es sich ausgeht.

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Sep 16 2009

Halbzeit

Martin

Palolem, 16. September 2009, 22:21 Ortszeit.

Nach der geballten Ladung Infos von gestern gibt es eigentlich nicht viel Neues zu berichten, aber da Halbzeit der Reise und sonst grad nichts zu tun ist, schreib ich trotzem was. Ramin hat heute am Strand einen Wal zurueck ins Meer geschoben. Klingt ein wenig skurril, war aber genau so wie es da steht. Ramin hat heute am Strand einen Wal zurueck ins Meer geschoben. Das Moerderteil war laut Augenzeugenberichten zwischen 15 und 20 Meter lang und es waren um die 40 Leute und eine Stunde notwendig um das gestrandete Viech wieder in tieferes Gewaesser zu schieben oder zu rollen, je nachdem. Bilder habe ich persoenlich leider keine davon, das muesst ihr uns einfach glauben.

Da wir nur am Strand liegen, essen, schlafen und ich immer noch keine Bilder von unserem Strand hab, war es das schon wieder. Falls es jemanden interessiert weil er auch herkommen moechte, hier die noetige Info um das Reisebudget fuer Indien zu planen - die Preise sind nach dem Pi-mal-Daumen Kurs von 100 Rupees = 1,50 Euro umgerechnet (aktuell sind es sogar nur 1,41 Euro).

Doppelzimmer ohne Klimaanlage: € 3 - 9
Doppelzimmer mit Klimaanlage: € 9 - 18

Hauptgericht Streetfood: € 0,60 - 0,90
Hauptgericht Restaurant: € 1,50 - 2,20
Steak inkl. Beilagen (bis jetzt nur in Goa gefunden): € 3
1 Toast gegrillt: € 0,40 - 0,60
0,3 Flasche Cola/Pepsi: € 0,30 - 0,40
0,3 Flasche Bier: € 0,90
1 Liter Mineralwasser: €0,30
1 Samosa: € 0,12

1 Stunde Fahrt mit Riksha: € 1,50 - 3
Halber Tag Auto mit Fahrer: € 15 - 18
Zugticket fuer 600 km/12 Stunden (2. Klasse, Klimaanlage): € 15
Zugticket fuer 600 km/12 Stunden (billigste Sitzklasse): € 0,70
Scooter ausborgen/Tag: € 2,20
Inlandsflug ca. 1200 Km: € 35

Tshirt: € 1 - 2
Hosen: € 1,50 - 2,50
1 Badehandtuch: € 3
Flip Flops/Sandalen: € 2 - 4
Regenschirm: € 1,50
Waescherei/Kleidungsstueck: € 0,15

Eintritt bei grossen Sehenswuerdigkeiten (Touristen): € 3,50
Eintritt bei grossen Sehenswuerdigkeiten (Einheimische): € 0,15 - 0,30
Telefongespraech nach Europa/Mintue: € 0,15
Internet Nutzung/Stunde: € 0,70

Packerl Marken-Zigaretten: € 1,20 - 1,50
1 Feuerzeug: € 0,15
4 Duracell Batterien: € 0,80
1 Rolle Toilettenpapier: € 0,75
1 Flasche Shampoo: € 0,60
Moskitoabwehrstromsteckeradapter: € 1,10

So macht Urlaub richtig Spass! (:


Sep 15 2009

Massives Visual Update

Martin

Palolem, 15. September 2009, 20:18 Ortszeit.

Hier sind die mehrfach gewuenschten und laengst ueberfaelligen Bilder. Ich bin momentan bei 1672 Stueck, einige Schmankerl wollen wir mal herzeigen. Wie immer gilt: verkleinert in Paint, unbearbeitet, ungeschnitten. Wie sie wirklich aussehen seh ich nicht wirklich, das Farbmanagement des Monitors ist jenseits von gut und boese, aber ich hoffe sie gefallen!

1. Das Taj Mahal. Jeder kennt es, und wie bereits zuvor erwaehnt, ich find es haelt was es verspricht:

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2. Einer der Dutzend Bahnsteige am Bahnhof von Agra Fort. Die Menschen verzichten auf die Treppen um ueber die Bruecke von a nach b zu kommen und nehmen den gleichen Weg wie die zahlreichen Ratten, streunenden Hunde und Plastikflaschen sammelnde Kinder von der Strasse.

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3. Ein Tuk Tuk oder auch Autorikshaw genannt. DAS Transportmittel fuer kleine bis mittelgrosse Strecken in Indien, das Design ist einheitlich, variiert aber von Stadt zu Stadt. In Delhi gibt es nur gruen-gelbe, in Rishikesh nur blaue und in Mumbai nur schwarz-gelbe Rikschas, diese hier ist aus Jaipur.

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4. Albo Malbo neben einer Wache im Palast der Winde in Jaipur. Der Akzent des deutschen Audio Guides ist echt lustig, eine Mischung zwischen Ukraine und Kufstein. Zweites Bild ist am Dach des Palastes und zeigt einen Kreisverkehr in der Altstadt von Jaipur, genannt Pink City.

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5. Ein Sadhu moechte sich fuer 100 Rupees only von mir ablichten lassen. Ich geb ihm 10, er ist nicht mehr der huebscheste.

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6. Das Panorama vom Monkey Tempel, sprich einer kleinen Steinhuette am Berg am Stadtrand. Jaipur ist wirklich weitlaeufig, es gibt so gut wie keine mehrstoeckigen Gebaeude und die 3 Millionen Menschen muessen irgendwo hausieren. Der Tempel wird seinem Namen auch in der Tat gerecht, es wimmelt nur von Monkeys in allen Groessen und Altersklassen.

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7. Ein Strassenhaendler in Pink City in Jaipur, er verkauft irgendeine Art von indischer Suessigkeit.

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8. Strassenszenen aus Mumbai. Erstes Bild ist ungefaehr zu Mittag gleich um die Ecke von unserem Hotel und dem Gate of India, das Zweite in den Abendstunden an einem muslimisch dominierten Basar und das Dritte zeigt eine Werbeanzeige fuer “Promotional Aids” gleich neben dem Cafe Leopold in Colaba.

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9. Elephant Island in der mumbaischen Bucht. Die Affen sind echt dreist (siehe voriger Post) und auch beeindruckend gut im Umgang mit Flaschen. Letztes Bild zeigt einen kleinen Teil von Mumbais Skyline.

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10. Eins unserer beiden Doppelzimmer in Anjuna Beach, keine 3 Minuten vom Strand entfernt um wirklich alles andere als wohlfeile 1000 Rupees (15 Euro pro Nacht fuer 2 Personen, eine der teuersten Unterkuenfte bis jetzt). Weiters der Weg zum Strand und der Strand selbst. Wie im vorigen Artikel erwaehnt bleiben wir nicht lange, denn in Palolem ist es einfach schoener. Ja, noch schoener!

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11. Einige Impressionen von Goa. Alles was man bei der Autofahrt auf der Suche nach dem perfekten Strand halt an sich vorbeiziehen sieht. Dazwischen Begutachtung des jeweiligen Strandes, natuerlich nicht alleine (”Hello my friend, need coco nut?” I can climb, very fresh, good price!”).

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12. Ramin bei seiner morgentlichen Zigarette in der Villa von Ms. Jacinta in Benaulim. Die Farbe macht irgendwie gluecklich.

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13. Palolem Beach bei Regen. Zuerst der Blick aus der Eigangstuer zu Ramin und Albos Zimmer, dann die “Waescherei” gleich nebenan und zuletzt das uebliche Alternativprogramm bei stroemendem Regen: HBO, Zimmerservice, Karten spielen und Albos Malbos Lieblingszeitvertreib. Gedankenspiele a la “Waerst du lieber weiss oder schwarz?” oder “Waerst du gerne superleiwand oder supersexy?”.

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Das war mal ein kleiner Vorgeschmack wie geil es in diesem Land einfach ist. Wir verabschieden uns mal und sehen zu ob heute nicht ein wenig Party in Goa zu finden ist. Bussi.


Sep 15 2009

Not just sea, it’s the Ocean!

Martin

Palolem, 15. September 2009, 19:53 Ortszeit.

Wir haben jetzt ein Zeiterl nichts von uns hoeren lassen, holen wir das schnell mal nach. Mumbai ist unterm Strich doch eine ziemlich interessante Stadt, der relative Wohlstand macht die Metropole zu einem modernen Fleckchen, gemessen an indischen Massstaeben selbstverstaendlich. Das aeussert sich in den erwaehnten Zimmerpreisen, beim Essen und auch beim Einkaufen. Wir haben uns von den kein Ende nehmenden Menschenmassen, der Luftfeuchtigkeit und der generellen Hektik nicht stressen lassen und sind es eher gemuetlich angegangen. Mit unseren beiden neuen “Freunden fuer einen Tag” Guarani aus Frankreich und Karen aus Israel fahren wir mit dem Boot zur Elephant Island, eine Stunde in die Bucht von Bombay hinein. Die in den Felsen gearbeiteten Hoehlen aus dem 5. Jahrhundert sind wirklich beeindruckend (siehe naechster Post mit Photos) aber richtig lustig zum ansehen ist die Szene vor dem Eingang: Steffi hat nach dem respektablen Schluck Wasser aus der Wasserleitung kurz vorm Schlafengehen (”Wird mich schon nicht umbringen, nN?”) die halbe Nacht am Klo verbracht und moechte endlich das leckere Croissant verspeisen, das wir in einer Edel-Schicki-Micki-Bakery in Mumbai gekauft haben (kostet mehr als ein durchschnittlicher Tageslohn). Sackerl auf, Croissant raus und sofort ist der dicke Affe per Dropkick auf ihr drauf und natuerlich, er bekommt was er will. Im Sackerl waren zwei Croissants, waehrend die Steffi es noch ganz wenig packt steckt er sich eins in den Mund und mit dem zweiten unterm Arm verzieht er sich auf den Baum. Gourmetgericht, quasi.

Am Abend werden Ramin und Guarani angeheuert um in einem Bollywoodstreifen mitzuspielen. Sie werden mit einem Haufen anderer Weisser die ganze Nacht am Set rumsitzen und in einer Szene als Statisten mitwirken. Ramin strahlt ueber beide Ohren als er am naechsten Morgen zurueck kommt, duerfte echt Spass gemacht haben. Am Morgen waren wir noch am Bahnhof Tickets kaufen, namentlich Victoria Station mit 2,5 Millionen taeglich abgefertigten Passagieren, beeindruckend was die Briten dort alles hingebaut haben. Generell wird Mumbai von der Architektur her alles andere als langweilig, ob Slums, moderne Einkaufszentren, britische Villen mit tropischen Gaerten oder die riesigen, mit Menschen vollgestopften Basare, es gibt immer was zu sehen. Am Bahnhof besorgen wir uns echte Tickets, nachdem wir am vorigen Abend fast ganz boese ueber den Tisch gezogen worden waeren von irgendwelchen Betruegern. Sie haben uns ganz fein kurz vor dem Schalter abgefangen, wollten wissen wohin es geht, haben alles in ihrem PC gecheckt, alles superfreundlich und gar nicht so unserioes wie es sich anhoert und siehe da, es gibt keine Tickets mehr. Aber: Selbstverstaendlich koennen wir VIP Tickets buchen, es gibt ja in jedem Zug ein Kontigent fuer den Premierminister, Bollywood-Stars und uns vier Idioten aus Oesterreich. So leiwand wie sie waren, haben wir tatsaechlich kurz gezoegert, uns aber doch gegen die Special Tickets entschieden. Spaeter erfahren wir, dass Tickets nach Goa fuer Auslaender sogar in einem ganz anderen Gebaeude gekauft werden muessen, bei einem extra Schalter fuer Tourist Quota Tickets, das naechste Mal wissen wir es besser. Den restlichen Tag nutzen wir zum Shoppen, Badehose (Billabong um 15 Euro), Flipflops, Rey Bec Brillen und sogar eine Breitling um 1,50 sind die Ausbeute. Um 23:05 faehrt unser Zug nach Goa, 12 Stunden spaeter sollten wir da sein.

Wie immer ist es echt kalt in den AC-Abteilen im Zug. Der Ramin hat die Nacht durchgemacht und wir schlafen alle schnell ein. Die Ausnahme ist Albo Malbo, mitten in der Nacht weckt er mich auf, er braucht dringend Toilettenpappier. Richtig schirch sieht er aus, ist blass (kasig sagt man bei euch daheim), schwitzt, eingefallene Augen und die Geraeusche die er von sich gibt.. Ich geb ihm lieber das Toilettenpapier, er scheint es echt noetig zu haben. Bald kommt er reichlich entschlackt aber noch immer ziemlich hinueber von seiner Eskapade in der indischen Zugtoilette zurueck, nimmt ein oages Antibiotikum und hofft, dass wir bald da sind. Wir kommen relativ puenktlich an und per Taxi geht es nach Anjuna im Norden Goas, dort soll es einen schoenen Strand geben. Das Hotel ist ok, Albert geht schlafen und wir drei an den Strand. Er ist zwar schoen, aber ganz das perfekte Postkarten-Flair ist es noch nicht und wir wollen ganz das perfekte Postkarten-Flair. Am naechsten Tag also zurueck ins Taxi und noch weiter in den Norden. Vagator Beach ist uns zu felsig, Mandrem zu einsam, in Baga und Candolim sind viel zu viele Leute, in Benaulim ist der Tag zu Ende und Albo Malbo braucht eine Pause also bleiben wir ueber Nacht. Wir schlafen bei Ms. Jacinta in ihrer knalltuerkisfarbenen Pension, Luxus nein, billig ja. Auschecken, Taxi und hier sind wir, ganz im Sueden von Goa: Palolem Beach und Postkarten-Flair.

Zu Mittag scheint noch die Sonne, wir gehen fruehstuecken und dann Bikini, Handtuecher und Zerstreuung kaufen (gibts hier nur im 10er-Pack aufwaerts). Unser kleines “Resort” liegt ca. 50 Meter vom Strand unter Palmen und umgeben von den Resten der vor 3 Jahren von der Regierung aufgrund von mangelnden Lizenzen oder Standards abgerissenen Hotelfundamente. Puenktlich im Hotelzimmer angekommen und es faengt an zu schuetten. Nicht so ein Regen, den wir aus Oesterreich kennen, echter, fetter, dicker Monsunregen. Nach einer Stunde gibt es keinen Strom mehr, das ganze Dorf ist im Dunkeln. Wir schlagen uns durch das Palmendickicht und die gut gefuellten Lacken zum Strand durch und besuchen das uns zuvor empfohlene Restaurant direkt am Strand. Da es noch immer keinen Strom gibt, gibt es auch nur Gegrilltes oder etwas aus dem Tandoori Ofen, die Koeche kochen mit Kerzenlicht. Wir goennen uns Prawns panfried with garlic, chillies and lime sowie einen Griechischen Salat als Vorspeise und einen gegrillten Kingfish, den uns der Kellner extra vorher gezeigt hat bevor er zubereitet wurde. Schliesslich sollen ja alle zufrieden sein in Goa. Albo Malbo bestellt Garnelen, muss aber noch bevor sie serviert werden zurueck ins Hotelzimmer um seiner Verdauung zu geben was sie verlangt: ein gemauertes Klo. Bald gehts wieder bergauf ist er ueberzeugt, und so wie er uns beim Essen zusieht waehrend er an seinem Toastbrot nagt wuenschen wir es ihm alle.

Heute das erste Mal wirklich entspannt am Strand liegen und ich sags euch, meine Freunde, Verwandte und wer sonst noch mitliest: Palolem Beach ist exorbitant grossartig. Ich kannte solche Straende bis jetzt wirklich nur von Postkarten und wenn man wirklich einmal dort im Sand liegen kann ist das echt einfach nur schoen. Heute passiert nicht mehr viel, aber wir bleiben mal sicher eine Woche hier. Morgen borgen wir uns Scooter aus und erkunden mal die Umgebung, auf die Insel wollen wir auch, und ansonsten viel Sonne und noch mehr Essen. Pascal und Xavier sind gerade mit Ramin die Bars im Ort abklappern, die zwei sind DJs aus Marseille und suchen eine Location fuer eine seidige Electro-Party. Samma dabei..

Gerade eben war wieder Stromausfall, Ganesha sei Dank hat der Schuppen hier einen Generator und ich darf das soeben geschriebene nicht von vorne tippen. Direkt im Anschluss gehts weiter, ich hab einige Bilder die wir herzeigen wollen, also haut mir ja nicht ab!


Sep 9 2009

Mumbai for Beginners

Martin

Mumbai, 9. September 2009, 22:02 Ortszeit.

Mumbai ist uns von Anfang an sympathisch. Bis zu dem Zeitpukt ungefaehr 2 Stunden nach der Landung als wir im Hotel stehen in dem wir urspruenglich schlafen wollten. Ab dann wirds schirch. Das Hotel ist nicht so leiwand und fuer den Preis nehmen wir lieber was anderes und genau hier liegt der Fehler. Man muss sich fuer das bessere Verstaendnis der naechsten 5 Stunden das ganze so vorstellen: Als Weisser wird man alle 2 Minuten angesprochen sobald man die Zimmertuer des Hotels hinter sich zusperrt. “Hello my friend, which country?” ist der Standardsatz. Ebenfalls hoch im Ranking zu finden: “Hello sir, riksha?”, “Want to buy XY?” (wobei XY von Schuhen, Brillen, Peitschen, Tischtuechern und Wasserpumpen alles sein kann), “Hello my friend, do you smoke?” und “You from?”. Die meisten dieser Semi-Konversationen sind nach ein paar Saetzen wieder zu Ende, denn die Leute sind hier einfach nur nett und neugierig (Ich glaub die von mir meistausgesprochene Floskel ist “Not Australia, Austria. Europe.”) Anfangs leiwand, an guten Tagen auch leiwand, aber wenn man grad nicht so gut drauf ist dann einfach nur nervig.

Und nun wieder zurueck nach Mumbai um ca. 8 Uhr am Abend, suedlichster Stadtteil Colaba, beliebt bei Touristen und mit dementsprechend vielen Hotels und Subkulturen. 30 Grad, gmiadliche 65% Luftfeuchtigkeit, viele Kilos in den Rucksaecken, Schwitzfaktor 3000. Handy und Lonely Planet raus und die naechsten Hotels anrufen, gibt ja einige. Aber siehe da, der Lonely Planet luegt das erste Mal seit der Ankunft in diesem Land. Die Hotels sind entweder abgef***t oder kosten einfach mal das 4fache oder beides. Albo meint es liegt an der Uhrzeit und daran, dass sie unsere steigende Verzweiflung riechen. Die zwei Heinzis (zeitweise sinds auch 5 plus), welche uns die ganze Zeit nachgehen und in ihre eigenen Hotels verschleppen wollen lassen sich einfach nicht abwimmeln. Bitten, Fluchen, Schreien, nix gibts. Albo Malbo reichts irgendwann, und er schaut sich eins der angeblichen supertollen Zimmer an. Raeume ohne Fenster? “Window is expensive, cost extra!”, ok ciao!

Wir haben an dem Abend gut 15 Hotels gesehen und nochmal soviele angerufen, haben hart gehandelt und dann trotzdem kapituliert, zwei mal das Viertel gewechselt und wieder sind wieder zurueckgekommen, haben gut 100 Mal pro Kopf “No, thank you” oder “Go away!” gesagt, wurden von Junkies verfolgt vor denen wir im Taxi gefluechtet sind, sind schweissgebadet immer wieder an den selben Ecken vorbeigeschleift, wollten schon Mumbai aufgeben und in den Sueden weiterfahren, haben gelacht und mit sehr harten Bandagen intern diskutiert. Mumbai bei Nacht ist echt tiaf wenn man wie ein Tourist aussieht und ein Hotel sucht.

Um den mehr als dreifachen Preis des bisher gewohnten haben wir ein akzeptables Zimmer bekommen, einfach nur duschen und schlafen. Mittlerweile sind wir wieder umgezogen und wohnen paradoxerweise in dem selben Hotel zu dem wir ganz am Anfang nein gesagt haben. Ansonsten ist Mumbai teuer (durchschnittliches Tageseinkommen 2,43 Euro am Tag, das ist das Dreifache (!) des nationalen Durchschnitts), aber ziemlich vielversprehend. Und ich hab endlich, endlich, endlich eine PC-Cardreader-Combo gefunden, die meine 32 GB Karten liest, die DVDs werden soeben gebrannt. Gerade eben haben meine verehrten Mitreisenden ein Lokal entdeckt, in dem es Steak gibt. STEAK! Ich muss los..


Sep 6 2009

Beyond here lies nothin’

Martin

Jaipur, 7. September 2009, 2:37 Ortszeit.

Aus der 9 Stunden Fahrt wurden ueber 12 Stunden, und was fuer welche. Albo Malbo ist vorne gesessen und der Ausdruck in seinem Augen nach dem Aussteigen laesst keinen Zweifel darueber, dass er es ernst meint als er sagt er haette einige Male schon mit seinem Leben abgeschlossen. Ganz schirche Manoever bei null Sicht, umdrehen auf der Autobahn, sogar Geisterfahrer war dabei. Es ist echt beeindruckend wie die Leute hier nicht die Nerven verlieren hinter dem Steuer.

Agra ist von Anfang an schirch. Die Muellberge am Strassenrand sind noch groesser als sonst, die Bevoelkerung noch aermer, es stinkt noch mehr und die Menschen sind schmierig. Ersteindruck ist ein Pferdekarren mit einem Kind am Steuer der einen schlafenden Hund ueberrollt. Wenigstens hatte ich Spass beim Handeln im Hotel, ein anerkennendes “I like your style!” und 700 Rupees weniger fuer die Zimmer polieren mein Ego auf. Ziemlich fein wie wir unsere Ankuft geplant haben, denn in dieser Nacht ist Vollmond und da gibt es extra Oeffnungszeiten weil das Taj da besonders schoen sein soll. Leider ist ausser Vollmond auch Freitag und Freitag hat das Taj geschlossen. Alternativprogramm: Zerstreuung im Hotelzimmer mit HBO und massig Zimmersevice. Am Abend dann Agra Fort (auch sehr schoen, auch sehr heiss) und anschliessend wieder Alternativprogramm.

Kurz vor sieben sind wir am naechsten Morgen dann am Eingang, und das Gebaeude ist wirklich wunderschoen. Von aussen zumindest, innen doch spartanisch gehalten und wenig spektakulaer, aber von aussen nicht zu schlagen. Auch wenn meine Entourage, welche bereits friedlich im Zimmer schlummert, anderer Meinung ist, ich war schwer beeindruckt. Unser Riksha Fahrer wurde von Fahrt zu Fahrt dreister, zum Schluss wollte er einen unverschaemt hohen Preis, die Auseinandersetzung wird ein wenig unangenehm, aber wir sitzen eindeutig am laengeren Ast, seine Frechheit siegt diesmal nicht. Auf Wiedersehen Agra, wir kommen sicher nicht wieder.

Ganz anders hier in Jaipur. Am Bahnhof treffe ich einen Inder mit einem Polska-Tshirt, der Pickup Service vom Bahnhof ist gratis und das Hotel erst: Mit grossem Abstand die schoenste Bleibe bis dato, Mr. Singh ist damals mit 18 Jahren und 1000 Dollar ins Business eingestiegen und hat mit diesem Gebaeude allen Grund stolz auf sich zu sein. Unser 4er Zimmer ist 1a, sogar das Klo ist getrennt von der Dusche zu erreichen, ungebremster Spass fuer jedermann also. Das Highlight ist jedoch das Dach mit seiner Dachterasse und der Chillout Area noch ein Stockwerk hoeher. Wir nennen es liebevoll das “Leo”, unser Ort wo wir in der Nacht gemuetlichst chillen, Musik hoeren und die kuehle Brise geniessen bei einem Rundblick auf die 2,5 Mio. Hauptstadt vom Bundesstaat Rajasthan am Rand der indischen Wueste. Der Lonely Planet macht zwar, dass sich in den vorgeschlagenen Enklaven alle Weissen treffen, die Steffi hat aber ein sehr feines Haendchen dafuer sich bis jetzt ohne einem einzigen Reinfall tadellose Hotels auszusuchen.

Wir haben jetzt Delhi, Shimla, Rishikesh, Agra und Jaipur gesehen, alles mittlere bis grosse Staedte und alle komplett unterschiedlich. Das Prinzip bleibt mehr oder weniger immer gleich, aber es ist trotzdem so als wuerde man sich nicht innerhalb der Grenzen eines Landes bewegen sondern immer einen neuen Staat besuchen. Es ist ziemlich schwer den ganzen Input zu verdauen und in irgendwelche Kategorien einzuordnen, die Dateien sind einfach zu gross um sie am Desktop zu speichern. In zwei Tagen fliegen wir nach Mumbai, der Bollywood Metropole mit 20 Millionen Menschen und dem groessten Slum Asiens, gespannt wie ein Gummiringerl koennte man sagen. Aber jetzt im Moment freuen wir uns auf morgen, angeblich steht der Palast der Winde und ein Kamelritt zur Bergfestung am Stadtrand mit makellosem Blick auf Jaipur bei Sonnenuntergang am Programm.

Langsam wirds auch Zeit fuer mich ins Bettchen zu gehen, ich goenn mir noch ein Zigaretterl im Leo und das wars dann fuer heute. Bussi.


Sep 3 2009

Mukti’s Health Food Cafe

Martin

Rishikesh, 3. September 2009, 14:31 Ortszeit.

Es ist uns gelungen einen Cardreader aufzutreiben und USB0.3, Paint und IE5.5 sei Dank hier ein paar Bilder:

1. Steffi nach dem ersten Mal auf einer oeffentlichen Toilette. This one goes out to Grexi Grossmann:

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2. Humayuns Tomb in New Delhi. Eins der schoensten Dinge die ich bis dato gesehen habe:

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3. Mit dem Toytrain von Kalka nach Shimla. 5 Stunden Fahrt, 969 Bruecken, Top Aussicht:

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4. Die allgegenwaertigen Rhesus-Affen, ganz schoen clever oben drein. Wasserhahn aufdrehen, Mais klauen, Leute anstaenkern, wer weiss was sie sonst noch alles im Repertoire haben:

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5. Bettler lassen sich meistens nur fuer ein paar Rupees ablichten, Sadhus wollen Zigaretten. Dieser einer hat 5 Rupees bekommen und mir nachher noch ziemlich lange nachgeflucht:

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6. Nach dem Umzug ins Swiss Cottage in Rishikesh - Monsoon, Zerstreuung und.. ja.. irgendwas halt:

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Am Abend gehts per Taxi nach Agra, nach 9 Stunden fahrt sollten wir relativ puenktlich zum Sonnenaufgang beim Taj Mahal sein. Dann gehts weiter nach Jaipur und am 8. am Abend dann per Flieger nach Mumbai. Wir melden uns dann irgendwann am Weg, Namasdere!